Death - & Grind Metal

Die italienischen GORY BLISTER befreien sich immer mehr von ihrem old-school Death-Korsett, um die Progrssivität zu erhöhen. So paaren sich auf dem dritten Album »Graveyard of Angels« Frickel-Parts mit fast schon ausuferndem, komplexeren Melodiespiel und den üblichen Death-Trademarks wie Geballer und Breaks sowie tiefergfelegtem Sänger, der hier noch mit einer kreischigen Zweitstimme unterlegt wird. Zum reinen Hören ist das Ergebnis durchaus facettenreich in Szene gesetzt. Allerdings kann ich Null Widererkennungswert entdecken und so schlendern die Songs fast bedeutungslos an meinem Ohr vorbei. Musiker als austauschbare Lärmwand-Erzeuger. Wenn sie Spaß daran haben ...

... ich wende mich derweil der nächsten Bande von Ruhestörern zu: PESTILENCE. Tja, die holländischen Death-Metal-Pioniere sind zurück. Ehrlich, hätten die nicht den Namen, würde heutzutage nach »Resurrection Macabre« kein Hahn krähen. Natürlich ist die CD gut anzuhören. Old school Death im Midtempobereich drapiert mit Patricks Trademark-Vocals, gleichzeitig einziges Originalmitglied und Innitiator des Comebacks. Dazu ein bißchen verholener Thrash und eine gewisse ruppige Attitude, ohne wirklich unkoordiniert wild zu sein. nett, nett. Aber eben auch nicht mehr. Für mich als alten Opa ist das wesentlich eher gourmierbar und mit wesentlich mehr Spaß versehen als irgendwelche Krawalloversionen von Ich-Bin-Der-Beste-Gitarrist Kombos. Doch auch hier ist kein Song zu finden, der das Abspielen der CD zur Zwangshandlung mutieren läßt. Und so bleibt unter'm Strich die Botschaft: "Kauf mich, weil ich eine Ikone der Death-Anfänge bin".

Relativ öde zocken die Holländer von PORTALL auf ihrer CD »Code black«. Midtempo ohne Aufregung mit ein paar Götheborg-Melodien. Eigentlich wollen sie ja Thrash sein, doch die tiefergelegten Gitarren, daß Gegrowle ... Hört sich für mich nach Death Metal an. Vielleicht Death Thrash. Mit den jungen Thrashgewitter-Meistern halten die eh nicht mit. Nur böse zu tun, reicht nicht aus, wenn die Musik nicht ansprechen tut.

Deathcore ist angesagt und mir teilweise wesentlich angenehmer als Metalcore. DOGMA INC. kann man weitestgehend auch hierzu rechnen. Tiefergelegte Gitarren, brutales Gekloppe mit vielen Breaks und heiserem Krähen ... »Before and after« ist nicht unbedingt das, was man sich ständig anhört, doch teilweise hat es auch schöne straighte Momente. Dummerweise werden die ziemlich dosiert eingesetzt, weswegen die Songs in der Fülle schnell öde wirken. Und der Kräher geht einem ziemlich schnell auf den Keks. Da ist so ein nervender Unterton drinne. Also schöner Versuch, aber bis auf ein paar gelegentliche Durchläufe ist das nichts.

Exotisch wird es mit IN DREAMS RESPONSE. Die Neuseeländer klingen mit »From the oceanic Graves« recht ansprechend, schaffen es jedoch nicht, sich nachhaltig zu empfehlen. Irgendwo im weitesten Sinne Melo Death. Das Booklet läßt darauf schließen, daß sich die CD thematisch um den englischen Seehelden Lord Nelson dreht. Vielleicht sind die graphischen Elemente aber auch nur der Aufhänger für eine generelle maritime Thematik. Dafür kann man durchaus Pluspunkte verteilen, geht man doch textlich damit etwas andere Pfade. Nur sehe ich ansosnten eben nichts, was sich mir aufdrängeln würde. Und unterm Strich ist das dann eben nur 08/15.

Sympho Death, Melo Black ... die skandinavischen SKYFIRE schmeißen alles in einen Korb und imponieren mit einem runden Werk. »Esoteric« besticht durch Druck und Geschlossenheit, klingt frisch, modern und ohne verkrampfte Schnörkel. Aber weder auf den ersten noch zweiten Blick drängen sich Hymnen zum Erkennen auf. Letztlich bleibt bei allem Eindruck die Frage, wo der Unterschied zu anderen Acts ist. Man erfindet das Genre ja nicht neu, um sich eine First Class-Stellung zu erarbeiten. Bin deswegen gespannt, was die erreichen können.

Furioser Beginn und starkes Nachlassen: TRIGGER THE BLODSHED frickeln sich zwar auf »The great Depression« den Arsch wund, bollern aber lediglich zu Beginn herum, als gäbe es kein Morgen. Danach dominiert zu viel Herumgefidel, wodurch die Sprengkraft der Songs arg gemindert wird und die CD eher so vorbeirennt. Gelegentliche Rücksprünge in kompromißloses Geföne gibt es zwar, machen den Kohl aber auch nicht fett. Mir irgendwie alles zu "Guck mal was ich kann"-mäßig.

»The synthetic Light of Hope« ist die mittlerweile 4. CD der französischen HYPNOSIS. Damit fundamentiert die Brigade sicherlich eine Stellung in ihrem Land, die ihnen so schnell kaum jemand streitig machen kann. HYPNOSIS verschmelzen Death Metal mit leichten EBM-Tönen und Gothic-likem Frauengesang. Dazu gehen sie noch recht progressiv ans Werk und schon ist ein Album hingewurschtelt, das recht überzeugend klingt. Man spart an üblichen Ich-bin-der-Größte-Frickeleien genauso wie an Ich-bin-der-Brutalste-Gebolze. Nicht, daß HYPNOSIS es an allen Ecken und Enden fehlen lassen, doch sie gehen weitaus difiziler zu Werke und lassen ihre Muskelprotzerei-Kollegen einfach links liegen. Zwar sind auch HYPNOSIS im Grunde wenig eingängig, doch brutal, schön und anspruchsvoll zugleich. Und das gebe ich mir dann dich ganz gerne mal.

Sowas in Richtung Death 'n Roll läuft ja meistens ganz brauchbar runter. Und dem schließen sich auch BIRDS OF PREY an. »The Hell Preacher« zockt überwiegend recht ordentlich mit viel Groove und straight nach vorne. Manchmal nehmen sie sich aber raus, um ein wenig wie die Sonntagsfahrer daherzubummeln. Groovt zwar immer noch, wirkt jedoch ein wenig grenzwertig. Aber wer in den Südstaatensümpfen unterwegs ist, hat's wahrscheinlich eh nicht so eilig.

Death Thrash mit 'nem leichten Schuß HC wird von WATCH ME BLEED umgesetzt. Die Mischung hört sich durchaus modern an, vor allem wenn man auch noch den Namen dazupackt. Nur ist die Kapelle weit entfernt von unsäglichem Metalcore- oder Deathcore-Gestümpere. Auf »Souldrunker« hat das meiste Hand und Fuß und ist deutlich im "richtigen" Metal verankert. Man bedient sich so, daß es modern wirkt und ordentlich knallt, unterläßt aber trendiges schielen. Nur mit einem Arsch voll Erfahrung am Buckel, hat man dies auch gar nicht nötig und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und das kommt den elf Tracks durchaus zu gute. Die ruppige Kante, die die Kombo teilweise an den Tag legt, steht ihr gut zu Gesicht und die breiter angelegten Songs laden zum intensiven Hören ein.

Auch wenn BRUTAL TRUTH eine Institution in Sachen Grindcore sind, mochte ich sie nie sonderlich. Und so sieht es auch mit dem neuen Album »Evolution through Revolution« aus. Derbstes Gebrate ohne jeglichen Ansatz von sowas wie Melodie, strukturierter Krach vom Reißbrett und jeder Song hört sich identisch an. Dem Zuhörer bleibt die Gewißheit, einer ultimativen Lärmwand, die sich vom Rauschen eines ICE nur dadurch unterscheidet, daß verschiedene Rhythmen mit Gesang sich eben anders anhören. Und im Übrigen ist heutzutage ein ICE i.d.R. sehr viel leiser und das Rattern der alten Bahnen kaum noch zu hören, weil die Dinger sonst im nu im Arsch sind. Das kann bei BRUTAL TRUTH nicht passieren. Aber einen befremdlichen Blick dürfte das Treiben der Jungs um Danny Lilker nicht nur bei den allermeisten Außenstehenden hervorrufen.

Bei solch elend langen Namen wie THY WILL BE DONE denkt man zuallererst an Metalcore oder Deathcore. Doch dem würde die Scheibe »In Ancient of Days« nicht gerecht werden. Zwar sind leichte Einschläge zu hören, doch neben teilweise hardcore-relevantem Gebrülleinsatz, gibt es verspielte Metal-Lines, Death Metal-Gegrowle, Thrash-Attacken und Götheborg-Melodien zu hören. Die Mischung macht's hier, die reißt es, denn das Ergebnis ist überaus erfreulich zu hören. Kann man sich wieder und wieder reinziehen und schon nach kurzer Zeit den ein oder anderen Track mitgrölen. Zwar kann man auch hier noch weiter herumtüfteln und verbessern, aber vielleicht geschieht es ja im weiteren Bandverlauf noch. Erstmal heißt es, einfach Spaß an »In Ancient of Days« haben.

Melo Death-Anwandlungen mit Mittelalter-Metal respektive Folk gemixt ist heutzutage fast schon ein Erfolgsrezept nach Pagan- und Folk-Bands im slighten BM-Gewand. ELUVEITIE bilden keine Ausnahme und da solcher Brauart bei mir stets auf ein offenes Ohr stößt, läuft auch »Slania/Evocation 1« bei mir öfter durch. Zwar sind die nicht ganz so rund um die Uhr faßbar wie geschmeidigere Bands, doch sollten sie sich mit den rauheren Ecken und Kanten auch eine treue Gefolgschaft erarbeiten, die nicht unbedingt auf die glattgeschrubbelte und daher besser im Geschäft stehenden Mitbewerber stehen. ELUVEITIE hämmern gerne auch mal einen rein und röhren in feinster Todesgrowler-Manier herum. Und von daher ist es wohl gut umschrieben, sie als Melo Death auf Folkwegen zu bezeichnen. Ich jedenfalls, werd das Teil noch wesentlich öfter hören, als bisher.

Och, ob man FATALIST nun wirklich braucht? Death Metal-Durchschnitt aus Kalifornien, der nach alten Schweden-Haudegen klingt. Nicht schlecht, was man auf »The Depths of Inhumanity« zu hören bekommt, nur eben auch nicht mehr. Das geht gut durch, doch mehr auch nicht. Wie eben so oft. Haut mich nicht wirklich vom Hocker, begeistert nicht und hinterläßt eher gähnendes Schulterzucken. Braucht nur der Sammler!

Und EMBRYO nicht mal der. Eigentlich wäre »No God Slave« nicht mal so schlecht. Durchschnittskost halt, in diesem Falle eher ein wenig slower. Die Herren Italiener haben aber einen Hang zu Keyboards und das klingt in diesem Falle völlig deplaziert. Billige Casio-Keys, die komplett aus der Reihe tanzen, in keinster Weise auch nur einen ansatzweisen musikalischen Sinn ergeben und wie ein billiger Handyton wirken, die ein Studioscherzbold ihnen untergeschoben hat, sind definitiv NICHT Metal! Das ist Bullshit, lächerlich. Da empfehle ich, den Inhalt der Halspickel mal genauer untersuchen zu lassen! Gilt übrigens auch für den/die der sowas unter Vertrag nimmt.

Untersuchen lassen müssen sich die Jungs von EXHALE dagegen bestimmt nicht. Bei »Blind« wird der Hörer dies bestimmt nicht, eher taub! Die Schweden-Grinder holzen dermaßen gnadenlos auf der CD herum, daß bei ordnungsgemäßer Verwendung zum Toben und Bangen am Ende die Bude Schrott ist und der Körper des Hörers ein Wrack.

Bei einem Namen wie GOREAPHOBIA kann man fast nix anderes als Death erwarten, oder? Richtig! »Mortal Repulsion« schlachtet in Old School-Manier herum, was ein wenig verwundert, da die Jungs aus Amiland stammen und dies in den letzten Jahren eher ein Garant für Brutalo- oder Frickel-Death war. Sei es drum, an mir läuft die CD dennoch ziemlich vorbei. Da nutzt es auch nichts, daß es die Band während der ersten Death Metal-Welle schon gab und sie praktisch zu den Vorreitern gehören, nur irgendwann Anfang der 90er wieder Schluß gemacht haben und nun die alten Zeiten versuchen, auszubuddeln. Ist schon bei anderen schiefgelaufen, doch wenigstens zockt man hier kein neumodisches Zeug.

Da liegt der heutige Todesblei-Fanatiker bei HOOD und deren CD »Serpent« besser. Hier ist deutlicher ein gewisser Brutalo-Frickel-Einschlag auszumachen. Kein Wunder, daß die Jungs in meinen Augen ihre stärksten Momente haben, wenn sie etwas zügeln und grooven, dabei jedoch die Dynamik nicht aus den Augen verlieren. "Demoralizer" wäre hier das Paradebeispiel. Die gesamte CD in dieser Kerbe und ich würde Feiern. Naja, fast. So bleibt eine CD, die in weiten Teilen absolut nicht meinen Nerv trifft. ICE-Todesmetal ist nicht unbedingt meine Baustelle.

Dagegen gefallen mir DISFIGURED DEAD auf eine eingeschränkte Weise recht gut. Old School-Stuff mit mit ganz leichtem Thrash-Appeal. Death Metal mit Wurzeln in den späten '80ern. Dabei ist »Visions of Death« nicht irgendwie auffällig oder herausragend. Eher schlicht und solide, Death-Metal-Handwerk. Durchziehen, Kopfwackeln, Spaß haben und dann in die Ecke gelegt, unbeachtet bis zum nächsten zufälligen Abspielen.

THE ARGENT DAWN dagegen sind nicht einmal für's gelegentliche Abspielen zu gebrauchen. Stinklangweiliger 08/15-Death mit pseudo Brutalo-Anstrich. Viele Down-Beats wechseln sich mit Geratter. Find ich seit 20 Jahren zutiefst überflüssig. Und das ist es dann auch, was »A blank Eternity« unter'm Strich als Prädikat zusteht. Jede Note hämmert an meinem Geschmack vorbei und mir erschließt sich nicht im Geringsten, was die Jungs damit aussagen wollen.

Die Hamburger THE RETALIATION PROCESS agieren musikalisch relativ abwechslungsreich, mischen durchaus einige neumodische Fetzen in den Sound und trachten sonst danach, eine massive Death-Metal-Kelle zu fahren. Der Gesang allerdings weist deutlich in eine New-School-Ecke. In der hier gezeigten Kombination aber alles noch im Rahmen. »Downfall« ist auch keine Offenbarung, läuft eher spektakulationslos durch die Boxen und paßt sich chamäleonartig einer extremen Variante von Fahrstuhlmusik an. sprich, mich stört es nicht, ist Hintergrundberieselung aber freiwillig würd ich es nicht einlegen.

Wenn ich solche Namen lese, weiß ich meistens, was kommt: BLACK THOUGHTS BLEEDING. »Stomachion« plündert in gängigen Stilen und heraus kommt irgendwas in Richtung Metalcore. Na super, denkt man sich, steckt den Finger in den Mund und fertig! Nun ja, immerhin schaffen es BTB, das der Gesang nicht ätzend herüberkommt und wirken streckenweise wie eine "richtige" Melo-Death-Combo. Darüberhinaus schaffen sie es, NU- und Emo-Einflüsse fast vollständig außen vor zu lassen, was die CD zusätzlich aufwertet. Im Groben bleibt also eine CD, die man sich durchaus ohne Schmerzen anhören kann, ein paar Mal den Kopf wackelt und dann in die Ablage legt. Marginal besser als Brutalo-Geholze mit Sinnlos-Frickeleien.

PERVERSOR aus Chile wollen angeblich dem alten (deutschen) Black Thrash huldigen,vermischt mit alten brasilianischen Recken. Was dabei herauskommt, klingt jedoch wie jede x-beliebige Black-Death-Metal-Kapelle. Da zählt für mich nicht einmal der "Exoten Bonus". PERVERSOR und ihre Mini »Demon Metal« rumpeln erkennungslos und uninspiriert herum. Sollten sich mal wirklich alte "Helden" anhören und begreifen, was daran so fesselnd war!

Zusammenstellung: Otger Jeske

 

Die belgischen Upper-Class-Avantgarde-Groove-Death-Grinder von LENG TCH´E sind absolut jedem Grindmaniac und Death Metal-Liebhaber ein Begriff. Unkonventionelles, manchmal postcoriges Riffing verschafft die ein oder andere Atempause, bevor sich deftige, gruntige Groovekellen mit herber Raserei paaren, ohne im Verlauf der Songs an Dynamik oder Spannung zu verlieren. LENG TCH´E sind Meister ihres Fachs und wer die Belgier u.a. letztes Jahr auf dem »Arsch Cholio«-Open Air gesehen hat wird wohl bestätigen können, dass es derzeit kaum überzeugendere, tightere und brutalere Death-Grind-Bands gibt, die so akkurat auf den Punkt kommen. Der neue Sänger Serge macht im übrigen einen 1a Job und passt sich hervorragend ins Klangbild ein, welches im vokalen Bereich nun partiell noch mal so einige Kellertreppen nach unten gerutscht ist. Die vier Tracks sind den Kauf längst wert. FUCK THE FACTS entgegnen ihrerseits 6 Tracks, die stilistisch und qualitativ doch noch eine Klasse unter LENG TCH`E liegen. Vor allem der hallige, pappige Sound macht ein wenig vom sonst eher positiven Eindruck kaputt. Ziemlich mathcorig deathgrinden sich die Drei durch ihre vertrackten, nicht immer aufs erste schlüssigen Songs. Ein wenig Hingabe und Aufmerksamkeit sind da schon angebracht. Stilistisch kann man das Gebolze gaaaaaanz entfernt als BOLT THROWER auf Speed (treibendes Riffing) plus Versatzstücke von neueren NASUM (was die teilweise sphärischen Riffs betrifft), MARUTA (der Mathcore-Faktor), DEAD und schnelleren HAEMORRHAGE (Riffs) beschreiben. Der geneigte Fan vom Fach wird bei der eher kuriosen Beschreibung sicherlich mit den Augen und Ohren rollen, letztlich passen aber alle Vergleiche ein Stück weit, ohne FUCK THE FACTS ihre zweifellos vorhandene Individualität absprechen zu wollen, die jedoch etwas im holprigen Soundgerüst untergeht. Alles in allem mit 22 Minuten eine schöne Split-EP-CD.

THE ARSON PROJECT werden in Kürze Kultstatus genießen. Musikalisch gesehen machen die Schweden sicherlich nichts Neues, was sie aber machen, ist dermaßen rabiat, brutal, massiv und schädelspaltend, dass ich den ersten Durchlauf von »Blood and locusts« glatt im Sitzen hinter mich bringen musste. Die tonnenschwere Produktion rappelt auch garantiert Euch die Bude komplett durcheinander, so dass Ihr Probleme mit dem Gleichgewichtssinn bekommen werdet ... Messerscharfe, extrem tiefe Gitarren, bulliger Bass, knallige Snaredrum, keifender Gesang und schneidende Becken in Perfektion aufgenommen lassen mich hier wirklich immer wieder erneut rotieren und gnadewinselnd am Boden kriechen. THE ARSON PROJECT sind neben ROTTEN SOUND sicherlich DIE Band, die das Erbe von NASUM in aller Würde unmittelbar antreten darf. Stilistisch gibt's demnach schnellsten Überschallgrindcore schwedischer Sorte vor den Latz. Wer bei AFGRUND ein feuchtes Höschen bekommt, sich an NASUM oder ROTTEN SOUND nicht satt hören kann und wem SKITSYSTEM manchmal einfach zu langsam und nicht groovig genug sind, der schlage nun sofort zu. Die vier blutjungen Burschen haben genau kapiert wie man derben Blastbeat mit Groove, Tightness und Abwechslungsreichtum so paart, dass ein jeder Grindfreak oder Powerviolence-Fanatiker freudestrahlend die eine oder andere Träne vergiesst. Mit Sicherheit eine der positivsten Überraschungen der letzten Jahre! Kaufen, ohne Widerspruch!

Das blutjunge deutsche Label 666 Records (vielen eher bekannt als 666 Strings, einem 1a Gitarrenbauer) legt uns heute in Kooperation mit den mexikanischen Diablos Records ihren erst fünften Release vor: Die portugisischen PUSSYVIBES knüppeln von Beginn an fiesen Gore-Porngrind, der die Gemüter nicht nur unserer Redaktion einmal mehr spalten wird. Diesen Sound muss und kann man nur lieben oder hassen, wobei für mich letzteres einfach nicht in Frage kommt. Wer das Riffing von HAEMORRHAGE mag, sich selbige aber gelegentlich gerne schneller wünscht und wer mit COCK AND BALL TORTURE schwanger gehen kann, wenn man sich selbige ohne gepitchten Gesang und mit normal gestimmten Gitarren vorstellt, der hat schon mal die ganz grobe Marschroute des portugisischen Fünfers verstanden. »Pussy gore galore« stumpft und poltert über 28 Tracks in 33 Minuten hinweg, die eigentlich nur eine Marschroute kennen: Immer vorwärts, mit Schmackes in die Fresse, ohne Pause, überflüssige Melodien oder ähnliches. Nackte Riffs, Blastbeat Parts und knallige Grindsalven ballern mir hier neben eiterschlürfendem Grindkreischwürggesang und abartig komischen Gore/Porn-Intros wahrlich die Nerven blank. Technischer Anspruch ist hier eher nicht angesagt, lyrische Kostbarkeiten sind hier auch nicht angesagt, denn Porn bedeutet nun mal Porn und Gore eben Gore, da hat weder Gesellschaftskritik, Politik oder was auch immer sonst einen Platz im Konzept. Ich persönlich bin zwar sicherlich prinzipiell dem Grindcore erlegen und mag auch solche pornaffinen Sachen wie CBT, WACO JESUS usw., allerdings kann ich die x-te Porn-Gore-Nudelei, wie sie eigentlich sonst eher aus Tschechien kommen, auch nicht immer ganz verstehen, ist eben Geschmackssache, wenn auch eine sehr grobe, schmutzige und widerlich fiese. Wer Bock auf "sexy Gore Grind" hat und von derben Schmutzigkeiten nicht genug bekommen kann, der investiere ganz flott sein Geld für die PUSSYVIBES-CD.

Grindcore Luxusmenü: Man nehme vier tollwütige Pitt Bulls und stecke sie in möglichst dusselige Karnevalsklamotten. Dann zieht man die Stachelhalsbänder schön eng, binde ihnen Micros und Gitarren um und schiebe ihnen die brennende Taufkerze der kleinen Schwester in den Allerwertesten: Die spontan aggressive Reaktion nebst urschreitherapieähnlicher Verarbeitung dürfte dem musikalischen Schaffen von RECTAL SMEGA relativ nahe kommen und der CUNTGRINDER- und BIRDFLESH-Fraktion äußert lecker reinlaufen. So gehört und überaus genossen auf der neuen RECTAL »Smegma/Namek«-Split-CD, die via 666 Records als sechste Labelveröffentlichung entsprungen ist und den Gore-Grindcore-Zirkus da draußen sicherlich begeistern sollte. NAMEK hingegen, als wären RECTAL SMEGMA nicht schon rabiat genug, legen noch mal zwei Taufkerzen oben drauf und kotzen sich noch mal zwei Kategorien brutaler aus. NAMEK grinden, bolzen, gurgelgrunzen und scheppern fast an der Grenze zum organisierten Noisecore, haben aber immer noch so viel Struktur, dass einzelne Riffs erkennbar bleiben und hin und wieder gar groovig angehauchte Death-Metal-Riffs die nächste Überschallgrindsalve einläuten. NAMEK sind zweifellos schmutzig, abartig, fies und gemein und gerade deshalb in Kürze auf unzähligen Grindecore-Fan-Einkaufszetteln wiederzufinden. Völlig kaputter Release, so was hab ich endlich mal wieder gebraucht. Also, schnell die letzten Mäuse und Taufkerzen zusammenkratzen und auf www.666strings.com shoppen gehen! Ach so... Nettes Cover übrigens, *öhöm*... Kategorie Death Metal

Hätte unser Magazin eine Punktbewertung, würde ich bei der neuen DARKNESS BY OATH eine glatte 10 von 10 zücken. »Fear yourself« ist für mich bisher DAS Album 2009 und läuft tagein tagaus nur noch hoch und runter. Was also zur Hölle habe die Spanier auf ihrem zweiten Langeisen eigentlich verzapft? Kurioserweise spielen die Fünf den typischen Melodic-Death-Metal-Göteborg-Sound, wie er eigentlich schon fast in Vergessenheit geraten ist, so dass hier alles andere als ein trendiges Produkt vorliegt, diese Zeiten in puncto Melodic Death Metal sind längst vorbei und dieser Trend wurde längst durch viele weitere ersetzt. DARKNESS BY OATH wagen den Schritt zurück und haben bei AT THE GATES sehr, sehr genau hingehört und liefern quasi den Nachfolger zu deren »Slaughter of the Soul«, was zwar alles andere als innovativ, unter dem Strich aber einfach nur endgeil klingt. Hier additiv eine Prise frühe IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY, dann wieder sehr viel GATES OF ISHTAR, hier und da laaaaaangsame DEFLESHED-Marschgeschwindigkeit, Hymnen, Ohrwürmer, Hooklines, einfach klasse, noch dazu dargeboten in einem denkbar fetten und satten Sound, einem stimmigen Konzept ... Hier stimmt einfach das Gesamtpaket von Anfang bis Ende, eine Scheibe ohne Ausfälle und endlich wieder Zuwachs in meiner akribisch und fanatisch sortierten Göteborg-Ecke. Ich mag zwar immer noch nicht glauben, dass hier Spanier und keine Skandinavier am Werk sind, aber was solls: Cyclone Empire haben sich mit DARKNESS BY OATH den Newcomer 2009 ins Boot geholt, basta. Anspieltipp: "My own mind".

Mit KONKHRA habe ich mich eigentlich bisher nie wirklich tiefgehend befasst und deren Schaffen leider immer nur am Rande verfolgt. Mit »Nothing is sacred« haben sich nun die Vorzeichen etwas geändert: Zum zwanzigjährigen Jubiläum legen die Dänen ein sehr interessantes Album vor, das sechste der Bandgeschichte. Als ich das Album dieser Tage mit meinen Kumpels hörte, waren sich diese alles andere als einig was ein abschließendes Urteil betrifft, welches mir ebenso schwer fällt. KONKHRA sind einfach extrem abwechslungsreich bzw. vielseitig und dennoch knüppelharter, teilweise groovender, teilweise extrem blastender Death Metal. Manchmal möchte man gar Modern Metal schreien, wenn Sänger Anders ähnlich TESTAMENT schön thrashige Lyrics brüllt ohne zu growlen, obgleich die anderen drei Mitstreiter gerade Death-Metal-Fahrwasser aufnehmen. Aber war das bei TESTAMENT und der »Demonic«-Scheibe anders? Kurzum: Die Mischung aus Geprügel, Groove, Thrash, Melodie und sehr viel Dynamik gefällt mir außerordentlich gut, so dass ich beide Daumen nach oben hebe. Der Sound ist recht druckvoll, jedoch beinahe an der Grenze zum Übersteuern, wodurch aber ein cooler Effekt entsteht und nichts überpoliert oder so klingt, eher unmittelbar, direkt und massiv. Der CD liegt übrigens anlässlich des Jubiläums eine Bonus CD mit den alten Demos bei, so dass hier value for money angesagt ist. Prima Scheibe! Gratulation und auf die nächsten 20 Jahre!

Für das Cover zur neuen PAGANIZER gibts eine glatte Schulnote 6. Wie kann man eine derart fette Old-School-Death-Metal-Scheibe nur in eine solche Schundhülle stecken?! Die Musik reisst es aber völlig raus: Der Sound klingt verdächtig nach der Klangschmiede Studio E, ich müsste doch glatt mal nachfragen, wo die eigentlich aufgenommen haben ... Kenner wissen, dass das einen ultradicken Gitarrensound bedeutet, der den Raum erfüllt und dich mit aller Schwere erschlägt. Glücklicherweise hat man den Bassfrequenzen im Klangbild noch genug Raum lassen können, damit auch der letzte Nackenwirbel ganz sicher geknackt wird. Die 16 Songs auf »Scandinavian Warmachine« klingen so verdammt nach Skandinavien, dass es mir eine helle Freude ist, euch allen diese Scheibe bedingungslos ans Herz zu legen, wenn ihr dem Old School Death Metal ebenso erlegen seid wie ich. Wer die alten GRAVE mag, liegt hier in vorderster Front richtig: Groovig schnell brutaler Schwedentod, immer auf die Zwölf! Mal eine Spur UNLEASHED oder SIX FEET UNDER (ja ja, ich weiss, die sind aus den USA ihr Klugscheisser), dann wieder CARNAGE, aber auch EVOCATION und CENTINEX, die Mischung zündet einfach und die markanten Riffs besitzen genügend Wiedererkennungswert, um PAGANIZER trotz des engen Stilkorsetts als Individuen heraushören zu können. Die Einflüsse sind klar erkennbar, der Rahmen liegt fest, was man darin aber Herausragendes erschaffen und machen kann, solltet ihr nun dringend selbst hören.

Neben der neuen PAGANIZER ist in Sachen Old School Schwedentod dringend AXIS POWERS als neue Hitcombo anzuführen! Wo graben die Schweden immer wieder solche fetten Bands aus? »Marching towards destruction« klingt zweifellos nach den ganz frühen NIHILIST, DISMEMBER und ENTOMBED, was auch den typischen Gitarrensound (Boss Verzerrer/Sunlight Studio Sound) betrifft, der natürlich in puncto Höhen und Bässen extrem übersteuert ist und böse bruzzelt und quasi in den Membranen brennt. Für Soundfetischisten ist das nach wie vor sicherlich nichts, mich macht das aber glücklich, ha ha. AXIS POWERS klingen dennoch nicht so professionell wie die alten Vorbilder, vielmehr klingen sie noch eine Spur undergroundiger, woran vor allem der komisch putzige Bass- und Schlagzeug-Sound schuld ist, der mächtig pappig scheppert und knarzt, öhöm. Hat aber Charme, keine Frage. Auch das Riffing, das immer wieder von tollen Gitarrenmelodien begleitet wird, ist manchmal wenigstens zehn Prozent crustig angehaucht und atmet eine gute Spur Old School Punk, was mir sehr gut gefällt, den Death-Metal-Puristen unter euch aber evtl. sauer aufstößt. Klar, AXIS POWERS bringen nichts Neues und Tracks wie etwa "Brutal war" klingen wie eine zusammengeklaute Mischung aus DISMEMBER, DISFEAR und alten CENTINEX, aber was solls: Spaß soll es machen und der quillt mir hier mit höchster Spielfreude mehr als erwartet aus den Boxen. Fettes Old-School-Ding und neben EVOCATION, PAGANIZER und DEMONICAL absolut auf euren Einkaufszettel gehörend!

Opener, zwanzig Sekunden sind verstichen: Hab ich die erste UNLEASHED-Single aufgelegt? Oder doch ne alte AUTOPSY? INCANTATION? GRAVE? Nein, die Rede ist von FUNEBRARUM, den kultigen US Amerikanern, die in ihrer Heimat mehr als nur kultig verehrt werden, bei uns jedoch nie recht zu gebührendem Ruhm gelangt sind. »The sleep of morbid dreams« ist knallharter, böse vergrunzter und schwer morbider US Old School Death Metal, wie er heutzutage nur noch viel zu selten gespielt wird. Früher hab ich Bands, die so rabiat, bösartig und brutal zu Werke gehen immer als "Fuck The Commerce"-Bands bezeichnet, nach dem Dahinscheiden des einstmals so bedeutenden Festivals ist diese Begrifflichkeit aber wohl nur noch den Szeneälteren unter uns bekannt. Die Scheibe ist exzellent abgemischt und besitzt neben einer gehörigen Portion Rotz und Dreck immer noch genügend Punch, um auf dem Death-Metal-Schlachtfeld auf die vorderen Plätze zu gelangen. Die Songs des neuen Langeisens gefallen mir im Übrigen auch sehr viel besser, als die noch eher halbgaren Gewächse auf der hierzulande leider etwas untergegangenen Split CD mit INTERMENT aus Schweden, die stilistisch perfekt zu den US-Old-School-Death-Metal-Monstern passen. Klare Weiterentwicklung durch perfekte Rückbesinnung auf alte Death-Metal-Tugenden kann man sagen. Das Teil sägt, schmerzt und scheppert mir tatsächlich die Buxe vom Arsch ... Volle Punktzahl!

Die Bedeutung von UNANIMATED für den gesamten Spielraum melodiösen Black bzw. Death Metals ist als Meilenstein der Metal-Geschichte absolut unverkennbar bzw. glöckchenklar. Zu Lebzeiten war es UNANIMATED leider nicht beschieden größeren Erfolg zu erzielen. Wie so viele alte Haudegen kehren die verlorenen Jungs, die sich 1989 gründeten, nun mit »In the light of darkness« zurück und zeigen den abertausenden Nachahmern ihres von ihnen mitentwickelten Stils den kultigen Stinkefinger. Vierzehn Jahre nach ihrem letzten Album »Ancient god of evil« kehren die Schweden nun zurück. Es wäre ein Treppenwitz, wenn ich ernsthaft als "Vergleiche" nun dennoch treffliche Bands wie NAGLFAR, alte SWORDMASTER oder NECROPHOBIC anführen würde, denn die Frage nach dem Huhn und dem Ei ist in diesem Falle hier ziemlich klar: Eine beeinflusste Band (?) als Vergleich zum "Original" anzuführen hinkt logischerweise in diesem wie in vielen anderen Fällen. Enttäuschten mich UNANIMATED 2008 auf dem »Party San« doch sehr, kann ich dem neuen Album nur das Prädikat "erstklassig" ausstellen. Ist auch irgendwie klar: Die Burschen haben in all den Jahren der UNANIMATED-Pause bei Bands wie DISMEMBER, ENTOMBED oder NIFELHEIM nicht nur mehr als das Laufen gelernt, sondern sich derart professionalisiert, dass »In the light of darkness« in Sachen Songwriting, Dynamik, Abwechslungsreichtum, Ideenvielfalt und Durchschlagskraft als perfekt bezeichnet werden kann und muss. Sollten die Schweden in der Lage sein, das hohe CD-Niveau auch auf der Bühne reproduzieren zu können, sollte einem verspäteten totalen Siegszug absolut nichts mehr im Wege stehen. Die Originale sind zurück und sie machen ihre Sache verdammt richtig. Mag es noch so viele überflüssige Comebacks geben, dieses Comeback ist zurecht eines der Meisterwarteten überhaupt. Anspieltipp: "The endless beyond", was eine fette Gitarrenmelodie ...

Zusammenstellung: Dirk